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Außerirdisches Leben in unserer Milchstraße (vorsichtige Abschätzung)

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Mathematik im Alltag, verblüffende Mathematik-Rätsel, Stochastik und Polyeder, irdisches und außerirdisches Leben

Rowohlt-Taschenbuch "Voll auf die 12 - Besser durchs Leben mit Mathematik"

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Wahrscheinlichste außerirdische Lebensformen und ihr Verhalten

Es gibt viele Spekulationen, wie außerirdisches Leben aussehen oder woraus es bestehen könnte. Oft haben Science-Fiction-Filme dieses Thema zum Gegenstand. In der Naturwissenschaft geht man überwiegend davon aus, dass hohe Komplexität eine notwendige Eigenschaft von Leben oder gar von intelligentem Leben ist. Weder in der Teilchenphysik, Kernphysik oder Atomphysik kennt man hochkomplexe Gebilde. Auch die Forschungsgegenstände der Plasmaphysik (Plasmawolken), Meteorologie (Atmosphären) oder Hydrodynamik (Ozeane) weisen keinen so hohen Grad von Komplexität auf. Das Gleiche gilt für die Objekte der Astrophysik (Sterne, Oberflächen von Neutronensternen, Ansammlung Schwarzer Löcher, interstellare Gas- und Staubwolken, Galaxien). Nur im Bereich der Chemie und dort speziell im Bereich der Kohlenstoffchemie gibt es Gebilde hoher Komplexität. Das hängt mit der Eigenschaft von Kohlenstoff zusammen, komplexe Verbindungen mit großem Informationsgehalt bilden zu können. Bei etwa -200°C ist auch Silizium dazu in der Lage. Allerdings sind bei diesen tiefen Temperaturen alle chemischen Vorgänge so extrem verlangsamt, dass sich in den 13,8 Milliarden Jahren seit dem Urknall kein Leben auf Siliziumbasis gebildet haben dürfte.

Außerdem liegen die physikalischen Naturkonstanten unseres Universums erstaunlicherweise in den oft sehr engen Bereichen, die wir als Kohlenstoff-Wesen brauchen. Es ist also durchaus möglich, dass diese sehr spezielle Struktur unseres Universums für eine völlig andere Form von Leben oder gar intelligentem Leben ungeeignet ist.

Deshalb wird in den folgenden Überlegungen angenommen, dass die Basis aller oder zumindest aller höher entwickelten Lebensformen der Kohlenstoff ist. Und neben Kohlenstoff als Grundgerüst brauchen komplexe organische Strukturen auch zumindest Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff in großer Menge. Das Leben verwendet damit tatsächlich die 4 am häufigsten vorkommenden chemischen Elemente, wenn man vom bindungsunfähigen Edelgas Helium einmal absieht. Und diese organischen Strukturen brauchen ein Lösungsmittel, in dem ihre chemischen Reaktionen ablaufen können. Dabei sollte das Lösungsmittel warm sein, damit die Reaktionen möglichst schnell ablaufen. Das aus Wasserstoff und Sauerstoff bestehende Wasser ist dafür eindeutig am besten geeignet. Das Universum stellt also gerade die chemischen Elemente überreichlich zur Verfügung, die das Leben verwendet. Leben auf der Basis anderer chemischer Elemente hätte also im Vergleich dazu mit gravierenden Nachteilen zu kämpfen.

Man kann als wahrscheinlich annehmen, dass Kohlenstoff-Leben, wenn es auf einem Planeten einmal entstanden ist, sich durch Mutation und Selektion entwickelt und alle möglichen Lebensbereiche dieses Planeten besetzt. Das Leben sollte also auf so einem Planeten Bestand haben und sich nur durch extreme Katastrophen und Veränderungen komplett auslöschen lassen. Das wäre z.B. der Fall, wenn der Planet im Laufe der Zeit seine habitable Zone verlässt. Die Ursache dafür kann sowohl bei ihm selbst, bei Nachbarplaneten als auch bei dem Stern liegen, den er umkreist.

Was das Verhalten von intelligentem Leben angeht, so können wir nur auf das Beispiel des Menschen und vielleicht noch auf die Beispiele von Menschenaffen, Delphinen, Rabenvögeln, Papageien und Tintenfischen zurückgreifen. Wir wissen natürlich nicht, inwieweit dieses Verhalten für das Verhalten von intelligenten Lebensformen repräsentativ ist. Allerdings ist die Annahme, dass sich unsere grundlegenden Eigenschaften von denen anderer intelligenter Lebewesen sehr stark unterscheiden, nicht besonders wahrscheinlich.

So darf man durchaus vermuten, dass auch andere intelligente Lebewesen neugierig sind und Forscherdrang besitzen. Auf Grund unserer evolutionären Entwicklung müssen wir davon ausgehen, dass auch die Vermehrung, Ausbreitung, Verdrängung, Inbesitznahme und Kolonisierung stark ausgeprägte Antriebe von intelligenten außerirdischen Lebewesen sind. Stehen beim Menschen diese Antriebe in Konkurrenz mit dem Antrieb, etwas zu erforschen, dann bekommt die Forschung meistens die geringere Priorität, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Sollten außerirdische Lebewesen die Erde erreichen, so müssen wir wohl eher davon ausgehen, dass sie die Erde in Besitz nehmen, als dass sie sie zum Naturschutzgebiet erklären, um sie zu beobachten und zu erforschen. Wir Menschen würden dann wahrscheinlich ausgerottet, bestenfalls domestiziert, in Zoos eingesperrt oder herumgezeigt.

Schließlich ist es vernünftig, davon auszugehen, dass Energie nicht nur für uns Menschen, sondern auch für intelligente außerirdische Lebewesen ein knappes Gut darstellt. Brechen Menschen zu Expeditionen auf, so lassen sie praktisch immer aus energetischen Gründen Dinge im Zielgebiet zurück, sei es auf dem Mount Everest, in der Antarktis oder auf dem Mond. Das gilt auch für unbemannte Expeditionen zum Mars, zur Venus oder zum Saturnmond Titan.



Außerirdisches Leben in unserer Milchstraße

In den ersten Milliarden Jahren nach dem Urknall gab es im Wesentlichen nur die leichten Elemente Wasserstoff und Helium. Schwerere Elemente wurden dann in der ersten Generation von Sternen erzeugt und durch Supernova-Explosionen in den interstellaren Raum verteilt. Erst danach war es möglich, dass sich Sonnensysteme mit Planeten bildeten, die Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff und andere schwere Elemente besaßen. Diese Elemente sind - wie schon erwähnt - Voraussetzung für die Entstehung von Leben auf Kohlenstoffbasis. Seit etwa 5 Milliarden Jahren gibt es Sterne mit genügend schweren Elementen. Unsere Sonne und auch unsere Erde entstanden vor etwa 4,5 Milliarden Jahren. Etwa eine Milliarde Jahre später bildeten sich hier die ersten Lebensformen und erst vor ganz kurzer Zeit entstand der Homo sapiens. Bisher wissen wir nicht, wie Leben entsteht. Die meisten Wissenschaftler vermuten aber, dass auf allen Planeten Leben entsteht, auf denen die Bedingungen dafür erfüllt sind. Für die folgenden Abschätzungen nehmen wir deshalb an, dass sich auf allen geeigneten Planeten eine Milliarde Jahre nach ihrer Entstehung - wie auf der Erde - Leben entwickelt.

In unserer Milchstraße entstehen etwa 10 neue Sterne pro Jahr. In den letzten 5 Milliarden Jahren sind also etwa 50 Milliarden Sterne entstanden. Davon betrachten wir nur die Sterne, die viele Milliarden Jahre ziemlich konstant strahlen. Dafür kommen hauptsächlich Gelbe Zwerge, zu denen unsere Sonne gehört, und Orangene Zwerge infrage. Rote Zwerge gehören nur sehr bedingt in diese Kategorie, da ihre Strahlung durch intensive Flares und große Flecken meist sehr stark schwankt. Außerdem sollten die eben erwähnten Sterne Planetensysteme besitzen. Das ist meistens nur möglich, wenn sie zu keinem Doppel- oder Mehrfach-Sternsystem gehören. Wenn wir annehmen, dass etwa 10% der Sterne diese Bedingungen erfüllen, dann gibt es momentan etwa 5 Milliarden Sterne mit diesen Eigenschaften. Und die dazugehörenden Planeten sollten genügend schwere Elemente besitzen. Bei etwa 10% dieser Sterne sollte sich mindestens ein geeigneter Planet oder gelegentlich auch ein geeigneter Mond eines Planeten in der Ökosphäre befinden, also in einer für Leben geeigneten Zone.

In den letzten 5 Milliarden Jahren wären demnach etwa 500 Millionen geeignete Planeten in unserer Milchstraße entstanden und 400 Millionen von ihnen wären seit etwa 4 Milliarden Jahren belebt. Der mittlere Abstand zwischen zwei Planeten mit Leben betrüge dann etwa 35 Lichtjahre.

Man könnte möglicherweise dieses Leben nachweisen, indem man die Atmosphäre des entsprechenden Planeten über den Nachweis von Ozon auf den dann auch vorhandenenen Sauerstoff untersucht. Ohne die Produktion von Sauerstoff durch Lebewesen würde dieses Gas nämlich nicht lange in der Atmosphäre bleiben, weil es recht einfach mit anderen Elementen reagiert. Deshalb werden Sauerstoff und Ozon auch als Biomarker bezeichnet.



Außerirdische Zivilisation in unserer Milchstraße, die zu interstellarer Raumfahrt fähig ist

Ab wann Leben als intelligent gelten soll, ist eine sehr schwierige Frage, auf die es sehr viele verschiedene Antworten gibt. Bei den folgenden Überlegungen soll unter intelligentem Leben eine technologisch entwickelte Zivilisation verstanden werden, die in der Lage ist, interstellare Raumfahrt und interstellare Kommunikation zu betreiben. Die Menschheit würde dementsprechend höchstens ansatzweise dieser Definition entsprechen. Möglicherweise engt diese Definition den Begriff von intelligentem Leben stark ein. Sie soll hier trotzdem verwendet werden, weil wir intelligente außerirdische Lebewesen nur bemerken können, wenn sie die Erde erreichen oder wenn wir ihre Funksignale auffangen.

Es ist schwer abzuschätzen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass auf einem Planeten, auf dem Leben entstanden ist, sich auch intelligentes Leben entwickelt. Auf der Erde gibt es Leben seit etwa 3,5 Milliarden Jahren. Den Homo sapiens gibt es erst seit etwa 160 Tausend Jahren, also erst seit ganz kurzer Zeit. Nun gibt es auf der Erde aber auch andere Lebewesen mit einer gewissen Intelligenz. Man kann sich deshalb fragen, ob auf der Erde in der Vergangenheit vielleicht eine technologisch entwickelte intelligente Art gelebt hat, die aus unbekannten Gründen wieder ausgestorben ist. Bekanntermaßen haben wir unzählige Spuren von Leben bis zu seinen Anfängen gefunden, jedoch sind wir bisher auf keine fremden technischen Werke gestoßen. Die von uns geschaffenen Geräte und Bauwerke sollten sich aber ohne große Schwierigkeiten auch noch in ferner Zukunft nachweisen lassen. Also müssen wir davon ausgehen, dass wir sehr wahrscheinlich die erste und bisher einzige technologisch entwickelte intelligente Art auf der Erde sind.

Allerdings dürften die Anforderungen an Planeten, die intelligentes Leben hervorbringen können, wesentlich höher sein als die Anforderungen, die Planeten erfüllen müssen, damit überhaupt Leben möglich ist. Vielleicht ist für intelligentes Leben immer ein Mond erforderlich, der die Planetenachse stabilisieren kann und damit zu starke Klimaschwankungen verhindert. Und der Planet sollte vielleicht durch einen großen Nachbarplaneten möglichst vor katastrophalen Meteoriteneinschlägen geschützt werden. Ein weiteres Problem ist, dass sich einerseits bewohnbare Planeten nur aus Sternenasche bilden können, die durch Supernova-Explosionen in den Weltraum geschleudert worden ist. Andererseits stellen nahe Supernova-Explosionen zumindest für höher entwickelte Lebensformen eine Gefahr dar, die ihre Existenz bedroht. Solche Planeten sollten sich also nicht in einem Gebiet mit vielen Supernova-Explosionen aufhalten. Der innere Bereich unserer Milchstraße wäre demnach kein geeigneter Ort. In den Außenbereichen unserer Milchstraße könnte dagegen zu wenig Material von Supernova-Explosionen vorhanden sein, um geeignete Planeten entstehen zu lassen. Schließlich sollte das Zentralgestirn über lange Zeiträume konstanter strahlen, als es für das Überleben vieler einfacher Lebensformen nötig wäre. Es scheint deshalb nicht unvernünftig, anzunehmen, dass nur auf etwa 1 Promille der belebten Planeten die Bedingungen so gut sind, dass dort auch intelligentes Leben entstehen kann. Das wäre also bei etwa 400.000 Planeten der Fall. Das intelligente Leben hätte sich auf diesen Planeten allerdings nicht seit 4 Milliarden Jahren, sondern - wie auf der Erde - im Mittel erst etwa 3,5 Milliarden nach Entwicklung der ersten Lebensformen entwickelt. Demnach wären erst seit etwa 500 Millionen Jahren die ersten intelligenten Lebensformen entstanden.

Von den 400.000 für intelligentes Leben geeigneten Planeten wären demnach erst etwa 1/8 (= 500 Millionen Jahre / 4 Milliarden Jahre) von intelligenten Lebewesen bewohnt. Das wäre in unserer Milchstraße aber noch immer bei etwa 50.000 Planeten der Fall. Dies ist eine durchaus große Zahl. Sie bedeutet, dass der mittlere Abstand zwischen zwei solchen Planeten etwa 700 Lichtjahre betrüge.

Warum haben wir bisher nichts von ihnen bemerkt? Bisher spricht alles dafür, dass die Erde nicht erobert und kolonisiert worden ist, was von sich ausbreitenden außerirdischen Zivilisationen am ehesten zu erwarten wäre. Selbst wenn sie uns nur gelegentlich besucht hätten, um uns zu beobachten und zu erforschen, so hätten wir inzwischen durchaus Geräte oder Unterkünfte finden können, die sie auf der Erde, dem Mond oder dem Mars aus energetischen Gründen zurücklassen mussten. Bei längeren Forschungsaufenthalten in unserem Sonnensystem hätten sie wahrscheinlich auch Siedlungen angelegt und künstliche Geländeumgestaltungen vorgenommen.

Wie würden sich intelligente Lebewesen, die die interstellare Raumfahrt beherrschen, in unserer Galaxis ausbreiten? Wahrscheinlich würden sie zunächst versuchen, den nächstgelegenen Planeten mit einer Ökosphäre anzufliegen. Die dort vorhandenen Bedingungen würden so einen Raumflug wesentlich sicherer und energetisch günstiger machen. Nach der obigen Abschätzung ist so ein Planet im Mittel etwa 35 Lichtjahre entfernt.

Angenommen, die außerirdische Zivilisation hätte die Technologie, mit einem oder mehreren bemannten Raumschiffen einen 35 Lichtjahre entfernten Planeten zu erreichen. Wann würden sie diese Raumschiffe losschicken?

Dazu ein Beispiel: Inzwischen haben einige von Menschen geschaffene Raumsonden (z.B. Pioneer 10, Pioneer 11, Voyager 1 und Voyager 2) unser Sonnensystem mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 km/sec verlassen. In etwa 1 Million Jahren sind sie 35 Lichtjahre von der Erde entfernt. Würden wir bemannte Raumschiffe losschicken, wenn wir sehr sicher wären, dass deren Nachkommen in 1 Million Jahren wohlbehalten den Zielplaneten erreichten? Wohl kaum. Wir würden es schon deswegen nicht tun, weil wir ziemlich sicher sind, dass sich in so einer langen Zeit unsere Technologie so weiterentwickeln wird, dass wir mit moderneren Raumschiffen die losgeschickten Raumschiffe überholen würden, lange bevor diese ihr Ziel erreichten. Der frühe Abflugtermin macht dann keinen Sinn. Wir würden also so lange warten, bis uns die Wahrscheinlichkeit groß genug erschiene, dass wir uns selbst nicht mehr überholen würden. Nun kann man eine zukünftige technologische Entwicklung sehr schwer abschätzen. Unsere Prognosen reichen meist nur einige Jahrzehnte, maximal einige Jahrhunderte in die Zukunft. Wahrscheinlich würden wir frühestens ein bemanntes Raumschiff losschicken, wenn es in höchstens 1000 Jahren einen 35 Lichtjahre entfernten belebten Planeten erreichen kann. Dazu müsste das Raumschiff im Mittel mit 3,5% der Lichtgeschwindigkeit fliegen. Es ist denkbar, dass eine außerirdische Zivilisation über die dafür nötige Technologie verfügt.

Wenn man nun annimmt, dass sich die Raumfahrer auf dem neuen Planeten etwa 1000 Jahre aufhalten, um ihn in Besitz zu nehmen und sich zu vermehren, bevor einige von ihnen zum nächsten Planeten mit einer Ökosphäre aufbrechen, dann würden sie 700 Lichtjahre in etwa 40.000 Jahren überbrückt haben. Das ist die nächste Entfernung von uns, bei der sich nach der obigen Abschätzung intelligentes Leben gebildet haben sollte.

Warum haben sie uns dann noch nicht erreicht, wo intelligentes Leben nach der obigen Überlegung schon vor etwa 500 Millionen Jahren entstanden ist?

Die zu Anfang gemachte Überlegung geht davon aus, dass einmal entstandenes Leben mit seinen Millionen Arten nur schwer wieder verschwindet. Das muss natürlich nicht für eine außerirdische Zivilisation gelten, die vermutlich nur aus einer Art besteht. Man kann deshalb die Tatsache, dass wir bisher nicht von ihnen besucht worden sind, auch so deuten, dass die maximale Lebensdauer einer solchen Zivilisation nur etwa 40.000 Jahre beträgt.

Es würden demnach momentan nicht 50.000 außerirdische Zivilisationen, sondern höchstens der 12 500ste Teil (= 40.000 Jahre / 500 Millionen Jahre) davon in unserer Milchstraße existieren. Das wären dann höchstens 4 außerirdische Zivilisationen und der mittlere Abstand zwischen ihnen betrüge etwa 15.000 Lichtjahre.

Was könnten die Gründe für die begrenzte Lebensdauer einer solchen technischen Zivilisation sein? Es wäre denkbar, dass sie ihrer Hochtechnologie überdrüssig wird, bevor sie sich zur interstellaren Raumfahrt entschlossen hat. Von außen betrachtet wäre ein solcher Planet dann schwer von einem mit nur einfachem Leben zu unterscheiden.

Oft wird auch vermutet, dass sich eine solche Zivilisation nach einer gewissen Zeit selbst zerstören würde. Das könnte durchaus realistisch sein, wie die folgende Überlegung zeigt. Vor 65 Millionen Jahren schlug ein Asteroid von etwa 10 Kilometer Durchmesser und einer Dichte von 3 g/cm3 mit einer Geschwindigkeit von etwa 25 km/sec auf die Erde. Dieser Einschlag führte vermutlich zum Aussterben der Dinosaurier und hätte sicher auch die menschliche Zivilisation ausgelöscht. Die Bewegungsenergie dieses Asteroiden lag damit bei etwa 500 Trilliarden Joule. Ein interstellares Raumschiff mit einer Masse von etwa 100.000 Tonnen, dass von einer entsprechenden Rakete auf 3,5% der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und wieder abgebremst wird, benötigt dafür eine Energie von etwa gleicher Größenordnung. Eine Zivilisation müsste also schon allein für ein solches Projekt eine Energie zuverlässig handhaben können, die bei unkontrollierter Freisetzung eben diese Zivilisation vernichten könnte. Eine unkontrollierte Freisetzung von glücklicherweise viel geringerer Energie ereignet sich zum Beispiel beim Absturz eines Passagierflugzeugs. Selbst bei einem sehr sicheren Flugzeug, das sehr gut gewartet wird, passiert das im Mittel etwa alle 5 Millionen Starts oder Landungen. Würde so ein Flugzeug nur einmal pro Tag starten und landen, und würde es außerdem immer nach einigen Jahren durch ein neues gleichwertiges Flugzeug ersetzt werden, käme es trotzdem im Mittel nach knapp 14.000 Jahren zum Absturz. Beunruhigend ist, dass dieser Wert den oben abgeschätzten höchstens 40.000 Jahren nicht widerspricht. Neben einem Krieg könnte also auch die begrenzte Zuverlässigkeit komplexer technischer Systeme mit großem Energieinhalt zur Selbstauslöschung führen.

Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass eine Zivilisation aus noch unbekannten Gründen das notwendige technologische Niveau nicht erreichen oder die notwendige Energie nicht bereitzustellen kann, um Planeten außerhalb ihres Sonnensystems zu besuchen. Es ist auch möglich, dass eine solche Zivilisation nicht bereit ist, in so ein Unternehmen so viele Ressourcen zu stecken, weil sie diese dringend zu Bewältigung von Problemen auf ihrem Heimatplaneten braucht.



Intelligente Roboter einer außerirdischen Zivilisation

Wenn uns schon außerirdische Lebewesen bisher nicht selber besucht haben, warum haben sie dann nicht wenigstens ihre Roboter geschickt? Wir schicken ja auch Roboter z.B. zum Mars, um ihn zu erkunden. Stellen wir uns vor, ihre Roboter würden zu einem etwa 35 Lichtjahre entfernten belebten Planeten aufbrechen, um ihn zu erforschen und seine Resourcen zu nutzen. Nehmen wir an, dass sie für diese Reise auch etwa 1000 Jahre benötigen würden. Wie intelligente Lebewesen müssten auch sie dann in der Lage sein, ihr Raumschiff und ihre Roboter-Kollegen während der langen Reise zu warten und zu reparieren. Wenn ihnen die Außerirdischen entsprechende Ersatzteile mitgeben, dann sollte das auch möglich sein. Aber auf dem neuen Planeten werden ihnen irgendwann die Ersatzteile ausgehen. Dann müssten sie selber Ersatzteile für ihre Geräte und für sich selber herstellen können. Das ist gleichbedeutend damit, dass die Roboter sich selbst reproduzieren, also fortplanzen müssten. Aus der heutigen Sicht würden die dafür benötigten Produktionsanlagen z.B. für die Rohstoffgewinnung und die Herstellung von Halbzeugen alle bekannten Dimensionen sprengen, da diese Anlagen ja auch noch ihre eigenen Ersatzteile herstellen müssten. Und der Energiebedarf wäre im Vergleich zu sich selbst reproduzierenden biologischen Wesen sehr groß. Wegen seiner Größe wäre so ein Reproduktionssystem auch sehr empfindlich gegen Umwelteinflüsse. Das könnten die Außerirdischen dadurch verhindern, dass sie die Teile ihrer Roboter so miniaturisieren, wie es das biologische Leben mit seinen Zellen gemacht hat. Es könnte also sehr gut sein, dass auch ihre Roboter aus zellgroßen Teilen bestehen müssten, damit sie sich mit vertretbarem Aufwand und Ausfallrisiko fortpflanzen können. Und es könnte sich sehr gut herausstellen, dass diese kleinen Teile aus den gleichen chemischen Elemente bestehen müssten, die auch die uns bekannten biologischen Lebewesen verwenden. In gewisser Weise wären dann die Roboter den außerirdischen Lebewesen ähnlich, die sie losgeschickt hätten. Und sie hätten die gleichen Probleme, interstellare Entfernungen zu überwinden. Vielleicht ist das ja der Grund, dass uns bisher auch noch keine Roboter besucht haben.



Funkkontakt mit außerirdischen Zivilisationen in unserer Milchstraße

Wie steht es nun mit einem möglichen Funkkontakt mit außerirdischen Zivilisationen? Die Menschheit "verrät" sich durch ungewollte Abstrahlung von Funkwellen seit über 80 Jahren. Technisch gesehen könnten wir über eine Entfernung von bis zu etwa 700 Lichtjahren kommunizieren, wenn der Gesprächspartner über eine gleichwertige Ausrüstung verfügt (Radioteleskop mit 100m Durchmesser, Sendeleistung von 1 MW, Sendefrequenz von 11 GHz und Datenrate von 1 bit/sec). Geplante und gezielte Funkbotschaften hat es bisher jedoch kaum gegeben. Viele halten es auch für gefährlich, auf sich aufmerksam zu machen. Sie gehen, wie auch die obigen Überlegungen, eher von einem erobernden Verhalten einer fremden Zivilisationen aus. Selbst wenn die Lebensdauer einer solchen Zivilisation im Mittel nur 40.000 Jahre betragen sollte, dann wären sie uns technologisch im Durchschnitt immer noch um etwa 20.000 Jahre voraus. Mit so einer überlegenen Zivilisation wollen wir nicht wirklich direkt zusammentreffen.

Es ist also durchaus möglich, dass sich diese Meinung in Zukunft durchsetzt und die Menschheit alle gezielten Kontaktversuche einstellt und auch das sonstige Abstrahlen von Funkwellen in den Weltraum immer weiter reduziert. Obwohl es sehr unwahrscheinlich erscheint, dass uns fremdes intelligentes Leben jemals erreicht, wäre dies vielleicht trotzdem sinnvoll. Möglicherweise würde dann das Zeitfenster, in dem wir uns durch Funkwellen gewollt oder ungewollt verraten, auf insgesamt etwa 200 Jahre begrenzt.

Würden sich auch die anderen maximal 4 momentan existierenden außerirdischen Zivilisationen ähnlich verhalten, dann gäbe es momentan in unserer Galaxis wohl niemanden außer uns, der Signale abstrahlt.

Selbst wenn die Zurückhaltung bei der Abstrahlung von gezielten Botschaften für die fremden Zivilisationen nicht gilt, so dürfte das Entdecken dieser wenigen Botschaften doch sehr schwierig sein. Aber solange wir darauf nicht antworten, wäre es für uns die einzige Möglichkeit, gefahrlos etwas über außerirdisches intelligentes Leben zu erfahren.



Außerirdisches Leben in unserem Sonnensystem

Nach unserem bisherigen Wissensstand wäre es möglich, dass es in unserem Sonnensystem außerirdisches Leben auf dem Mars, auf dem Jupitermond Europa oder dem Saturnmond Enceladus gibt.

Nach der Entstehung des Mars vor etwa 4,5 Milliarden Jahren gab es dort wahrscheinlich für mehrere hundert Millionen Jahre lebensfreundliche Bedingungen. Sollte in dieser Zeit Leben enstanden sein, dann könnte es sich, nachdem auf dem Mars die Atmosphäre weitgehend und offenes Wasser vollständig verschwunden war, unter die Marsoberfläche in Nischen mit flüssigen Wasser zurückgezogen haben. Sollte dort entstandenes Leben wieder ausgestorben sein, dann lassen sich eventuell im Marsboden noch fossile Überreste davon finden.

Auf Europa und Enceladus existiert unter dem Eismantel auf der Oberfläche jeweils ein viele Kilometer tiefer Wasserozean. Diese Ozeane werden durch die Energie der Gezeitenreibung, die von Jupiter bzw. Saturn verursacht werden, flüssig gehalten. Am Boden dieser Ozeane gibt es vermutlich hydrothermale Quellen, an denen dann vielleicht Leben entstanden sein könnte. Dieses könnte auch heute noch existieren.



Außerirdische Zivilisationen im übrigen Universum

Die bisherigen Überlegungen gelten grundsätzlich nicht nur für unsere Milchstraße, sondern auch für die übrigen Galaxien des Universums. Eine maximale Lebensdauer von etwa 40.000 Jahren würde für eine technische Zivilisation bei weitem nicht ausreichen, um eine benachbarte Galaxis zu erreichen, da die mittlere Entfernung zwischen den Galaxien einige Millionen Lichtjahre beträgt.


Nach den obigen Überlegungen erscheint es (glücklicherweise?) ausgesprochen schwierig, mit fremdem Zivilisationen in Kontakt zu kommen. Natürlich kann sich die Situation für Leben und intelligentes Leben in unserer Milchstraße und im übrigen Universum auch ganz anders darstellen. Es gibt dazu ungezählte Spekulationen. Ich bin jedoch der Meinung, dass das hier vorgestellte Szenario nach unserem bisherigen naturwissenschaftlichen Kenntnisstand wahrscheinlicher ist als die meisten anderen Vermutungen.


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